6 Fragen an Lloyd-Röstmeister Christian Ritschel

Christian Ritschel, der Röstmeister von Lloyd Caffee stellt sich vor:

Sie sind seit 2005 für die traditionelle Lloyd Handröstung verantwortlich. Wie wird man Röstmeister?

Mit viel Erfahrung! Ich bin als 17-Jähriger aus Köln nach Bremen gekommen und war schon damals begeisterter Kaffeetrinker. Obwohl Bremen „als Kaffeestadt“ nach wie vor groß im Kaffeehandel und bei der industriellen Verarbeitung war, kannte man z.B. richtigen Cappuccino nicht. Bestellte man ihn, erhielt man eine Tasse Brühkaffee mit Sahnehäubchen. Für mich, der ich in Köln die durch die italienischen Gastarbeiter mitgebrachte italienische Kaffeekultur kannte, war das ein Desaster.

Einige Zeit später lernte ich einen sehr guten Freund kennen, der bereits Ende der 1970er Jahre eine im Jahre 1924 gegründete Kaffeerösterei übernommen hatte. Rösten wurde mein Hobby. Wir haben gemeinsam Kaffee verkostet und neue Mischungen entwickelt. Im Jahr 2003 hatte ich dann die Chance, einen kleinen Kaffeeversandhandel zu übernehmen und gut ein Jahr später bei Lloyd Caffee mit einzusteigen. Damit konnte ich mein Hobby endgültig zum Beruf machen.

Warum schmeckt Lloyd Caffee viel aromatischer als der Kaffee aus dem Supermarkt? 

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen röstet Lloyd Caffee schon seit Jahrzehnten alle Kaffeesorten ganz langsam in etwa 20 Minuten bei niedriger Temperatur. Ab 180 Grad färben sich die ursprünglich grünen Bohnen in ein sattes Braun. Bei etwa 200 Grad fängt der Kaffee an zu knacken, viel heißer sollte – nach unserer Überzeugung – Kaffee aber nicht geröstet werden. Durch die gleichmäßige, schonende Röstung in kleinen Mengen werden störende Säuren abgebaut und es entwickelt sich die typische Aromenvielfalt. Es ist bekannt, dass Kaffee mehr als 1.000 Aromen entwickelt, belegt sind aber nur 800.

Erst wenn alle 1.000 Aromen bekannt wären, könnte man theoretisch Kaffee künstlich herstellen. Aber das ist natürlich reine Theorie. Kaffee verkostet man wie Wein. Auch das Vokabular ist ganz ähnlich. Wenn Kaffee zu schnell geröstet wird, werden die unangenehmen Säuren nicht vollständig abgebaut, der Brühkaffee kann dann Sodbrennen verursachen und bitter schmecken. Der zweite Grund für den harmonischen Wohlgeschmack: Alle Kaffeebohnen, die zu Lloyd-Kaffeespezialitäten geröstet werden, sind mit Bedacht gewählt. Nach Proberöstungen kaufen wir bevorzugt Bohnen von Familienplantagen, die nachhaltig arbeiten. In den kleinen Plantagen werden nur die reifen, roten Kaffeekirschen geerntet, das macht sich bei der Qualität unbedingt bemerkbar.

Wie komponiert Lloyd Caffee seine Kaffeespezialitäten?

Viele Lloyd-Kaffeespezialitäten sind sortenrein. Diese Kaffees sollen authentisch schmecken, typisch für ihre Sorte und Herkunft. Dafür sorgen wir durch beste Rohware und unsere Lloyd-Röstmethode. Wir bieten z.B. eine der besten Kaffeesorten der Welt an: Der Jamaica Blue Mountain ist der Kaffee für Genießer mit seinem vollen, runden Geschmack, einem kräftigen Aroma und ausgewogenem Bouquet.

Unsere Kaffeemischungen komponieren wir grundsätzlich erst nach dem Rösten. Dann entscheiden wir, in welchem Verhältnis die sortenrein gerösteten Arabica-Bohnen gemischt werden, sodass der Kaffee gut schmeckt. Für besonders kräftigen Espresso – und den benötigt man zwingend um Cappuccino oder sogar Latte Macchiato zuzubereiten – geben wir die kräftigere Robusta-Bohne mit in die Mischung. Es bedarf einer guten Zunge und einer feinen Nase, um besonders wohlschmeckende und damit beliebte Kompositionen zu entwickeln. Denn bei einer Mischung müssen viele Faktoren stimmen, um einen angenehmen Geschmack zu erreichen: die Säure, der Körper und das Aroma. Unsere Bremer Mischung zum Beispiel ist eine bewährte Komposition, die wir immer wieder an die neuen Ernten anpassen. Unsere Kunden loben uns regelmäßig für unsere besonders gut gelungenen Kaffees.

Warum vertreibt Lloyd Caffee keine FairTrade-Ware?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen fehlt bei FairTrade die Transparenz über die Gelder. FairTrade zahlt derzeit einen vertraglich festgelegten Zuschlag von nur 10 US-cents pro englischem Pfund/lbs (=0,4536kg) Rohkaffee über dem Weltmarktpreis für Kaffee. Der „fair“ gehandelte Kaffee kostet aber hier im Laden 1 oder 2 Euro mehr! Wo bleibt die Differenz? Man muss davon ausgehen, dass die Organisationen und Einzel- bzw. Zwischenhändler diese abschöpfen, denn im Ursprungsland kommt dieses Geld nicht an. Produkte wie Kaffee, Kakao und Zucker dürfen laut den FLO (Fair Label Organisation)-Standards nur dann zertifiziert werden, wenn sie von Kleinbauerngenossenschaften kommen. Kaffee von den kleinsten und somit ärmsten Familienplantagen sind also derzeit nicht zertifizierbar. FairTrade nutzt außerdem den ärmsten Ländern nicht. Zertifizierte Produzenten befinden sich meist in den Schwellenländern mit “mittlerem Einkommen” wie z.B. Südafrika, Mexiko und Kolumbien. Außerdem werden die ärmsten Produzenten – und auf dieser Seite der Welt, die kleinsten Kaffeeröster – wegen der hohen Zertifizierungs- und Verwaltungskosten praktisch automatisch vom sogenannten „fairen Handel“ ausgeschlossen. Ich kritisiere außerdem, dass FairTrade einerseits demokratische Strukturen bei den Produzenten fordert und gleichzeitig mit Discountern wie Lidl zusammenarbeitet, die noch nicht einmal einen Betriebsrat zulassen. Die mangelnde Glaubwürdigkeit hat dem FairTrade-Gedanken schwere Kritik z.B. auch von ATTAC Deutschland eingetragen. Interessant ist auch, unfair Trade zu googeln. Es handelt sich meist um Einträge aus dem englischsprachigem Raum, die scheinen skeptischer zu sein als wir deutschen, die wir jedem Siegel Glaube schenken. Wir vertreiben deshalb lieber hochwertigen Rohkaffee von kleinen Familienplantagen, denen wir deutlich mehr zahlen als TransFair-Organisationen – einen echt fairen Preis also.

Lloyd Caffee hat eine lange Tradition. Seit wann gibt es die Kaffeespezialitäten aus Bremen? 

Lloyd Caffee wurde 1930 in Bremen von Albert Laube im Bremer Viertel gegründet und ist die älteste noch aktive, traditionell röstende Kaffeerösterei in Bremen. Seit 2009 haben wir unseren Firmensitz, die Rösterei und ein weiteres Café sowie unser Ladengeschäft in der ehemaligen Kaffee HAG-Fabrik im Bremer Holzhafen. Hier befindet sich auch unsere „Gläserne Kaffeerösterei“, in der wir in unseren meist 2-stündigen Kaffeeseminaren alles Wichtige über die Welt des Kaffees vermitteln – und hier können Sie auch den historischen HAG-Marmorsaal besichtigen, der 1914 vom Kaffeemagnaten Ludwig Roselius erbaut worden ist und der heute in alter Pracht von Kaffee-HAG erzählt, einer Bremer Facette der Kaffeegeschichte.

Und wie trinkt Röstmeister Ritschel seinen Kaffee?

Ich trinke vier bis fünf Tassen schwarzen Kaffee am Tag, immer bewusst und in Ruhe. Manchmal genieße ich aber auch einen Cappuccino, den Kaffee, der mich schon als 17-Jähriger begeistert hat. Nie mit Sahnehaube und immer mit einem Lloyd-Espresso als Basis.

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